Jetzt lasst sie doch erstmal kommen

In Borgsdorf soll ein Flüchtlingsheim gebaut werden – genau gegenüber von meinem Haus.

Natürlich war ich erstmal nicht so besonders begeistert davon. Immerhin gab es in den letzten Jahren immer wieder mal Berichte über Probleme mit solchen Einrichtungen. Auch und gerade von Demonstranten und Ausschreitungen gegen sie. Zudem gibt es immer wieder allgemeine Befürchtungen, dass die Grundstückspreise fallen, die Kriminalität steigt und die kommunale Infrastruktur überlastet wird.

Ich kenne das betroffene Grundstück noch als „Heimwald“ aus meiner Kindheit. Er gehört einfach dorthin, zwischen die Margeritenstraße und den Dornbuschweg. Und es ist schön, dass ich gegenüber wohne. Aber es gibt nun mal keine Recht darauf, dass alles immer so bleibt, wie es immer war oder zumindest gerade ist. Gerade auch Borgsdorf hat sich in den letzten 25 Jahren erheblich verändert: der Ort ist seit vielen Jahren ein Stadtteil von Hohen Neuendorf; neue Einwohner aus ganz Deutschland sind in den Ort gezogen; viele frühere Wochenendgrundstücke sind jetzt mit beeindruckenden Wohnhäusern bebaut, das ehemalige Gartenbaugelände ist heute ebenfalls ein begehrtes Wohngebiet; es gibt ein neues Einkaufszentrum; das Garten-Center und neue Sportstätten. Kurz: Borgsdorf hat von der positiven Entwicklung der Stadt profitiert.

Nun kommt auf unsere Stadt eine besondere Aufgabe zu. Flüchtlinge sollen hier untergebracht werden. Flüchtlinge sind Menschen, die in Not zu uns kommen und auf Hilfe hoffen. Ich denke, wir haben die Pflicht, sie offen aufzunehmen und ihnen hier eine friedliche und vernünftige Heimat auf Zeit zu geben. Ich denke, das wird klar, wenn man versucht, sich in die Situation dieser Menschen hinein zu versetzen.

Die ersten von ihnen sollen nun in den Stadtteil Borgsdorf kommen. Weitere Flüchtlinge werden woanders in der Stadt eine Unterkunft bekommen. Gleiche Rechte – gleiche Pflichten! Damit habe ich kein Problem.

Bedenken zu Kriminalität, Grundstückspreisen, Überforderung der kommunalen Infrastruktur und Bürgerferne Planung hat die Bundeszentrale für Politische Bildung mit einem allgemeinen Faktencheck widerlegt.

Konkret haben der Landkreis und einige Fraktionen der SVV bei uns frühzeitig eine Diskussion zwischen Politik, Bürgern und Verwaltung angestoßen, auch wenn viele Fragen noch nicht beantwortet werden können. Eine weitere Anwohnerinformation ist für September geplant. Dann werden hoffentlich auch die noch offenen Fragen zu den Planungen beantwortet.

Zudem ist es ein Ziel unseres Landkreises für die Unterbringung von Asylbewerbern und Flüchtlingen zentrale und verkehrsgünstig gelegene Unterkünfte zu schaffen. Das ist am vorgesehenen Ort gegeben. Natürlich muss der Landkreis als Bauherr auch für eine adäquate Bebauung des Geländes sorgen, die dem Charakter des Ortes entspricht. Es sollte nicht zu kompakt werden. Aber ich gehe davon aus, dass der Kreis, mit Unterstützung der Stadt, auf solche Bedenken ausreichend Rücksicht nimmt und das Gelände angemessen entwickelt. Besonders mit der ebenfalls vorgesehenen und nötigen Wohnbebauung kann Borgsdorf dann vielleicht sogar ein interessantes neues Quartier gewinnen.

Wie wir hier in Borgsdorf mit den Menschen die in Not zu uns kommen, umgehen werden, liegt aber auch maßgeblich an uns. Die Erfahrung in anderen Orten zeigt, dass bei einem offenen und verständnisvollen Umgang miteinander auch kritische und problematische Situationen gelöst werden können. Ich bin froh, dass in Borgsdorf bereits eine Willkommensinitiative für den September geplant ist. Damit wird auch ein bürgerschaftlicher Rahmen geschaffen um das Zusammenleben mit den Flüchtlingen zu gestalten.

Ich werde mich der Initiative anschließen und sie unterstützen. Ich hoffe, dass möglichst viele Borgsdorfer das auch tun werden. Wir werden die ankommenden Flüchtlinge willkommen heißen. Denn nur wer positiv aufgenommen wird, hat auch die Chance, sich zu integrieren.

Und wenn sie dann da sind, können wir sagen: Willkommen in Borgsdorf!

Ein Kommentar

  1. Ja, lasst sie erstmal da sein. Ich war am Donnerstag bei der Veranstaltung in der Borgsdorfer Turnhalle. Ich muss sagen, ich bin stolz auch Borgsdorfer zu sein.
    Keiner war gegen die Aufnahme dieser Menschen.
    Es gab bei einigen Unsicherheiten, weil sie nicht wissen wer da kommt und wie das wird. Das kann ich gut nachvollziehen, doch von allen, die bisher Kontakt zu Flüchtlingen und Asylbewerbern hatten, wurde berichtet, dass diese Menschen zutiefst dankbar sind, dass sie hier sein dürfen. Viele von ihnen wollen auch gerne etwas zurückgeben an uns alle. Wir sollten Sie offen empfangen und vielleicht entwickelt sich ja auch die eine oder andere Freundschaft daraus. Und wenn ein befreundeter Asylbewerber mein Kind nach Hause begleitet, hätte ich nichts dagegen.

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